medtests.de · Dissoziation

Dissoziation-Test

Sich neben sich stehen sehen, die Welt wie durch einen Nebel wahrnehmen, ganze Wege vergessen: Dissoziation ist der Sammelbegriff für solche Erfahrungen, in denen Wahrnehmung, Erinnerung und das Gefühl für sich selbst kurz auseinanderfallen. Dieser Selbsttest nutzt die DES-II, ein weltweit etabliertes Screening mit 28 Aussagen. Er stellt keine Diagnose, sondern zeigt Ihnen, wie stark solche Erfahrungen bei Ihnen ausgeprägt sind und ob eine fachliche Einordnung sinnvoll wäre.

Wenn es gerade zu viel wird

Dissoziation kann mit belastenden oder traumatischen Erlebnissen zusammenhängen. Wenn Erinnerungen Sie überwältigen, Sie den Bezug zur Realität verlieren oder Sie an Suizid denken, bleiben Sie damit nicht allein. Die TelefonSeelsorge ist rund um die Uhr kostenlos und anonym erreichbar unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222. Bei akuter Gefahr wählen Sie sofort die 112.

Dissociative Experiences Scale II (DES-II), 28 Items

Die folgenden 28 Aussagen beschreiben Erfahrungen, die manche Menschen im Alltag machen. Bitte geben Sie für jede Aussage an, auf wie viel Prozent Ihrer Zeit sie zutrifft, wenn Sie nicht unter dem Einfluss von Alkohol oder anderen Substanzen stehen. 0 Prozent bedeutet nie, 100 Prozent bedeutet immer. Wenn eine Frage zu viel wird, dürfen Sie jederzeit pausieren.

28 Fragenca. 5 Minanonym, Auswertung im Browserkeine Diagnose

Was die DES-II misst

Die Dissociative Experiences Scale (DES-II) fragt nach 28 Erfahrungen und danach, auf wie viel Prozent Ihrer Zeit sie zutreffen, wenn Sie nüchtern sind. Sie deckt ein breites Spektrum ab: Gedächtnislücken im Alltag, starkes Aufgehen in Fantasien oder Filmen, und Erfahrungen der Entfremdung von sich selbst und der Umgebung. Der Wert ist der Mittelwert aller Antworten und reicht von 0 bis 100. Ein Mittelwert ab etwa 30 gilt als auffälliger Screeningbereich, in dem eine fachliche Abklärung sinnvoll ist. Das ist eine Orientierung, keine Diagnose. Ein niedriger Wert schließt eine Belastung nicht sicher aus, gerade wenn Sie einzelne Erfahrungen sehr stark erleben.

Depersonalisation und Derealisation (DPDR)

Zwei Formen dissoziativen Erlebens werden besonders oft gesucht. Depersonalisation meint das Gefühl, von sich selbst entfremdet zu sein: als würden Sie neben sich stehen, sich selbst wie von außen zusehen oder Ihr Körper gehöre Ihnen nicht. Derealisation meint dasselbe Gefühl der Unwirklichkeit, aber nach außen gerichtet: die Umgebung wirkt fremd, wie hinter Glas oder durch einen Nebel. Beides zusammen wird als DPDR abgekürzt. Kurze Episoden kennen viele Menschen unter starkem Stress oder Übermüdung. Wenn die Zustände häufig auftreten, lange anhalten und belasten, ist ein Gespräch mit einer Fachperson sinnvoll. Die DES-II enthält mehrere Fragen zu genau diesen Erfahrungen, misst sie aber nicht als eigene Diagnose.

Was ist OSDD?

OSDD steht für "Other Specified Dissociative Disorder", auf Deutsch etwa "andere näher bezeichnete dissoziative Störung". Der Begriff wird verwendet, wenn deutliche dissoziative Beschwerden vorliegen, aber nicht alle Kriterien einer klar umrissenen Störung wie der dissoziativen Identitätsstörung erfüllt sind. OSDD ist damit ausdrücklich eine klinische Diagnose, die eine Fachperson im Gespräch stellt, kein Ergebnis, das ein Fragebogen liefern kann. Die DES-II kann höchstens ein Hinweis sein, dass sich eine genauere Abklärung lohnt.

Multiple Persönlichkeit und DIS: warum es dafür keinen Selbsttest gibt

Was früher "multiple Persönlichkeitsstörung" hieß, wird heute dissoziative Identitätsstörung (DIS) genannt. Es ist ein seltenes, komplexes Störungsbild, das fast immer mit schweren, frühen Traumatisierungen zusammenhängt. Einen Online-Selbsttest, der eine DIS feststellt, gibt es aus gutem Grund nicht: Die Diagnose braucht eine sorgfältige, oft lange Abklärung durch spezialisierte Fachleute, unter anderem um sie von anderen Ursachen abzugrenzen. Ein hoher DES-II-Wert kann bei sehr unterschiedlichen Belastungen entstehen und beweist keine DIS. Die DES-II bleibt ein Screening auf dissoziative Erfahrungen, nicht mehr und nicht weniger.

Selbstwahrnehmungsstörung und Wahrnehmungsstörungen bei Erwachsenen

Wer nach einer "Selbstwahrnehmungsstörung" oder nach "Wahrnehmungsstörungen bei Erwachsenen" sucht, meint oft genau die Erfahrungen, die dieser Test erfasst: das Gefühl, sich selbst fremd zu sein, oder die Umgebung verändert wahrzunehmen. Wichtig ist die Abgrenzung. Veränderte Wahrnehmung kann auch körperliche oder neurologische Ursachen haben, etwa nach Migräne, bei Schlafmangel, unter bestimmten Medikamenten oder bei Erkrankungen des Gehirns. Wenn Wahrnehmungsveränderungen plötzlich, zusammen mit neurologischen Ausfällen wie Lähmungen, Sprach- oder Sehstörungen, oder nach einem Sturz auftreten, gehört das rasch ärztlich abgeklärt, nicht in einen Selbsttest.

Wann Hilfe sinnvoll ist

Dissoziation ist oft ein Schutzmechanismus, mit dem sich der Körper vor Überforderung abschirmt. Sie wird dann zum Problem, wenn sie häufig auftritt, den Alltag stört oder mit Angst, Niedergeschlagenheit oder belastenden Erinnerungen einhergeht. Weil Dissoziation und Trauma eng zusammenhängen, kann der PTBS-Test eine sinnvolle Ergänzung sein. Gute Anlaufstellen sind eine ärztliche oder psychotherapeutische Praxis mit traumatherapeutischer Erfahrung, eine Traumaambulanz oder Ihre Hausarztpraxis. Wenn Sie sich überwältigt fühlen, den Bezug zur Realität verlieren oder Gedanken haben, sich das Leben zu nehmen, ist die TelefonSeelsorge rund um die Uhr kostenlos und anonym erreichbar unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222. Bei akuter Gefahr wählen Sie die 112.

Quellen

Carlson EB, Putnam FW. An Update on the Dissociative Experiences Scale. Dissociation, 1993;6(1):16-27. Vorläuferarbeit: Bernstein EM, Putnam FW. Development, Reliability, and Validity of a Dissociation Scale. Journal of Nervous and Mental Disease, 1986;174(12):727-735. Das englische DES-II-Original wurde von den Autoren zur freien Nutzung für Forschung und klinische Zwecke freigegeben. Die deutschen Aussagen sind eine eigene, nicht normierte Übersetzung des englischen Originals und nicht identisch mit dem lizenzpflichtigen Fragebogen zu Dissoziativen Symptomen (FDS).

Häufige Fragen

Ist das ein Multiple-Persönlichkeitsstörung-Test?

Nein. Die DES-II ist ein Screening auf dissoziative Erfahrungen, kein Test auf die dissoziative Identitätsstörung (früher multiple Persönlichkeitsstörung). Dieses seltene Störungsbild lässt sich nicht per Fragebogen feststellen, dafür braucht es eine sorgfältige Abklärung durch spezialisierte Fachleute.

Kann ein hoher DES-II-Wert eine DIS beweisen?

Nein. Ein hoher Wert zeigt nur, dass dissoziative Erfahrungen ausgeprägt sind. Solche Werte entstehen bei sehr unterschiedlichen Belastungen, etwa bei Stress, Angst, Depression oder nach traumatischen Erlebnissen. Ein Wert ab etwa 30 ist ein Hinweis, eine fachliche Einordnung zu suchen, keine Diagnose.

Was ist DPDR (Depersonalisation und Derealisation)?

Depersonalisation ist das Gefühl, von sich selbst entfremdet zu sein, als würde man neben sich stehen. Derealisation ist dasselbe Gefühl der Unwirklichkeit, aber auf die Umgebung bezogen, die dann fremd oder wie durch einen Nebel wirkt. Kurze Episoden kennen viele unter starkem Stress. Halten sie an oder belasten sie stark, lohnt sich ein Gespräch mit einer Fachperson.

Was ist OSDD?

OSDD steht für "andere näher bezeichnete dissoziative Störung". Der Begriff wird verwendet, wenn deutliche dissoziative Beschwerden vorliegen, aber nicht alle Kriterien einer klar umrissenen Störung erfüllt sind. Das ist eine klinische Diagnose, die eine Fachperson stellt, kein Ergebnis eines Selbsttests.

Kann Stress Dissoziation auslösen?

Ja. Dissoziation ist oft ein Schutzmechanismus bei Überforderung. Kurze dissoziative Momente unter starkem Stress, Übermüdung oder Anspannung sind häufig und meist harmlos. Bedeutsam wird es, wenn die Zustände häufig auftreten, den Alltag stören oder mit belastenden Erinnerungen zusammenhängen.

i
Geprüft vom Redaktionsteam

Angaben zu Instrument, fachlicher Grundlage und Grenzen geprüft. Stand: Juli 2026. Unabhängig, anonym nutzbar, keine Diagnose.

Nach dem Test

Ein Ergebnis zu Dissoziation ist ein Hinweis, kein Urteil. Notiere dir, was auffällig war, und nutze das Ergebnis als Gesprächsgrundlage, wenn du ärztlich, psychotherapeutisch oder diagnostisch abklären lässt.

Weiter einordnen