Glossar · Testmethodik

Validität: Was sie bei Tests bedeutet

Validität beschreibt, ob ein Test das misst, was er messen soll, und ob die Schlüsse aus den Ergebnissen für einen bestimmten Zweck angemessen sind. Sie ist keine feste Eigenschaft des Fragebogens allein, sondern bezieht sich auf die Interpretation und Nutzung der Werte in einem konkreten Kontext.

misst der Test das Richtige?zweck- und kontextgebundenkein Diagnosesiegel

Das Wichtigste

  • Validität ist die Frage, ob ein Test das misst, was er messen soll.
  • Sie gilt immer für einen bestimmten Zweck und Kontext, nicht als unveränderliche Eigenschaft eines Fragebogens.
  • "Validiert" heißt geprüft, nicht diagnosesicher.

Was Validität meint

Ein Test kann sauber und zuverlässig messen und trotzdem am eigentlichen Ziel vorbeigehen. Validität ist genau die Frage, ob er das Richtige erfasst. Nach den weit verbreiteten Standards for Educational and Psychological Testing bezieht sich Validität nicht auf den Fragebogen als Gegenstand, sondern auf die Angemessenheit der Schlüsse, die man aus den Werten für einen bestimmten Zweck zieht. Anders gesagt: Nicht der Test ist valide, sondern eine bestimmte Interpretation seiner Ergebnisse in einem bestimmten Kontext.

Dieser Gedanke ist nicht neu. Cronbach und Meehl beschrieben schon 1955 die Konstruktvalidität, und Messick betonte 1995, dass Validität die Bewertung der Bedeutung und der Nutzung von Testwerten ist. Für Selbsttests folgt daraus eine wichtige Einschränkung: Ein Instrument, das für einen Zweck gut belegt ist, ist es nicht automatisch für jeden anderen.

Verschiedene Blickwinkel auf dieselbe Frage

Oft werden mehrere Arten von Validität unterschieden. Die inhaltliche Validität fragt, ob die Items den Gegenstand angemessen abdecken, also ob wichtige Aspekte fehlen oder Fremdes mitgemessen wird. Die Konstruktvalidität fragt, ob wirklich das gemeinte Merkmal erfasst wird und nicht etwas anderes, das nur ähnlich aussieht. Die Kriteriumsvalidität vergleicht die Testwerte mit einem anderen Maßstab, etwa einer sorgfältigen fachlichen Einschätzung. In neueren Standards gelten diese Arten nicht als getrennte Sorten, sondern als verschiedene Quellen von Belegen, die zusammen ein Validitätsargument ergeben.

Ein einfaches Beispiel

Stellen Sie sich einen Fragebogen vor, der Konzentrationsprobleme erfassen soll, aber vor allem Schlafmangel abbildet. Er könnte zuverlässig immer wieder ähnliche Werte liefern und trotzdem das falsche Merkmal treffen. Wer die Werte dann als Maß für Konzentration liest, zieht einen wenig validen Schluss. Das Beispiel ist erfunden und dient nur der Anschauung. Es zeigt aber, warum Validität nicht an einer einzelnen Zahl hängt, sondern an der Frage, was ein Wert im jeweiligen Kontext bedeutet.

Häufige Verwechslung

Am häufigsten wird "validiert" mit "diagnostisch sicher" gleichgesetzt. Das ist falsch. Dass ein Instrument in Studien geprüft wurde, macht ein einzelnes Ergebnis nicht zur Diagnose. Ebenso wird Validität mit Reliabilität verwechselt. Reliabilität ist die Zuverlässigkeit der Messung, Validität die Frage, ob das Richtige gemessen wird. Ein Test kann zuverlässig und trotzdem wenig valide sein. Reliabilität ist eine Voraussetzung, aber kein Ersatz für Validität.

Bedeutung für Selbsttests auf medtests.de

Wenn wir bei einem Test von einer wissenschaftlichen Grundlage sprechen, meinen wir, dass ein Instrument geprüft wurde, nicht, dass ein Ergebnis eine Diagnose ersetzt. Der Depressions-Test mit dem PHQ-9, der Angst-Test mit dem GAD-7 und der ADHS-Test mit dem ASRS beruhen auf etablierten Fragebögen. Ihre Güte ist an bestimmte Populationen und Zwecke gebunden, meist an ein Screening. Beim Dissoziation-Test weisen wir zusätzlich darauf hin, dass die deutschen Aussagen eine Arbeitsübersetzung sind, deren Werte deshalb mit besonderer Vorsicht zu lesen sind. Ein hoher Wert bleibt in allen Fällen ein Hinweis, kein Nachweis.

Was der Begriff nicht bedeutet

Validität ist kein binäres Gütesiegel und kein Beweis für Richtigkeit im Einzelfall. Ein validiertes Instrument liefert kein diagnosesicheres Ergebnis, und "wissenschaftlich bewiesen" ist hier die falsche Sprache. Ein Selbsttest dient der Orientierung und ersetzt keine ärztliche, psychotherapeutische oder diagnostische Abklärung.

Quellen

  • American Educational Research Association, American Psychological Association & National Council on Measurement in Education (2014). Standards for Educational and Psychological Testing. apa.org
  • Cronbach, L. J. & Meehl, P. E. (1955). Construct validity in psychological tests. Psychological Bulletin, 52(4), 281-302. DOI: 10.1037/h0040957
  • Messick, S. (1995). Validity of psychological assessment. American Psychologist, 50(9), 741-749. DOI: 10.1037/0003-066X.50.9.741

Häufige Fragen

Was bedeutet Validität bei einem Test?

Validität beschreibt, ob ein Test das misst, was er messen soll, und ob die Schlüsse, die man aus den Ergebnissen zieht, für einen bestimmten Zweck angemessen sind. Nach den gängigen Teststandards ist Validität keine feste Eigenschaft des Fragebogens allein, sondern bezieht sich immer auf die Interpretation und Nutzung der Werte in einem konkreten Kontext.

Ist ein validierter Test dasselbe wie eine sichere Diagnose?

Nein. "Validiert" heißt, dass ein Instrument in Studien geprüft wurde, nicht, dass ein einzelnes Ergebnis diagnosesicher ist. Ein validierter Selbsttest bleibt ein Screening und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Abklärung.

Welche Arten von Validität gibt es?

Häufig unterschieden werden die inhaltliche Validität, die fragt, ob die Items den Gegenstand angemessen abdecken, die Konstruktvalidität, die fragt, ob wirklich das gemeinte Merkmal erfasst wird, und die Kriteriumsvalidität, die den Test mit einem anderen Maßstab vergleicht. In neueren Standards werden diese Aspekte als verschiedene Quellen von Belegen für ein gemeinsames Validitätsargument verstanden.

Kann ein Test in einem Kontext valide sein und in einem anderen nicht?

Ja. Ein Fragebogen, der für eine bestimmte Sprache, Altersgruppe oder Population geprüft wurde, überträgt seine Güte nicht automatisch auf andere Gruppen oder auf einen anderen Einsatzzweck. Deshalb ist wichtig, in welchem Kontext ein Test validiert wurde.