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Hb-Wert: was Hämoglobin im Blut anzeigt

Der Hb-Wert gibt an, wie viel Hämoglobin in einer bestimmten Menge Blut enthalten ist. Hämoglobin ist der eisenhaltige Farbstoff der roten Blutkörperchen und bindet den Sauerstoff, der aus der Lunge ins Gewebe gelangt. Deutsche Befunde nutzen dafür zwei Einheiten, g/dl und mmol/l, gemeint ist dieselbe Größe.

Hämoglobing/dl und mmol/lTeil des kleinen Blutbilds

Das Wichtigste

  • Hämoglobin bindet Sauerstoff in der Lunge und gibt ihn im Gewebe ab. Der Hb-Wert zeigt, wie viel davon im Blut vorhanden ist.
  • Ein niedriger Wert heißt Anämie. Häufigste Ursache in Deutschland ist Eisenmangel, wichtig ist dann die Frage, warum das Eisen fehlt.
  • Ein hoher Wert geht oft auf zu wenig Flüssigkeit zurück, weil das Blut dann konzentrierter ist.
  • Ob der Befund g/dl oder mmol/l nutzt, ändert an der Aussage nichts. Beide Angaben lassen sich ineinander umrechnen.

Was Hämoglobin im Blut macht

Hämoglobin ist der rote, eisenhaltige Farbstoff in den roten Blutkörperchen. Jedes Molekül enthält Eisen, und an dieses Eisen bindet sich der Sauerstoff, der in der Lunge aufgenommen wird. Mit dem Blutstrom gelangt er so in Muskeln, Gehirn und alle übrigen Organe, wo er wieder abgegeben wird. Auf dem Rückweg hilft Hämoglobin außerdem, einen Teil des Kohlendioxids zurück zur Lunge zu bringen.

Der Hb-Wert ist damit ein Maß für die Sauerstofftransportkapazität des Blutes. Er wird im kleinen Blutbild standardmäßig mitbestimmt, zusammen mit der Zahl der roten Blutkörperchen und dem Hämatokrit, dem Anteil der Zellen am Blutvolumen. Weil diese drei Größen dasselbe Geschehen von verschiedenen Seiten beschreiben, bewegen sie sich meist in dieselbe Richtung.

Orientierungsbereiche und die zwei Einheiten

Deutsche Laborbefunde geben Hämoglobin entweder in Gramm pro Deziliter (g/dl) oder in Millimol pro Liter (mmol/l) an. Beides ist verbreitet, weshalb ein Wert von 14 und ein Wert von 8,7 dieselbe Menge beschreiben können. Die folgenden Spannen sind eine Orientierung für Erwachsene und keine feste Grenze zwischen gesund und krank.

Orientierungsbereiche für Hämoglobin bei Erwachsenen in g/dl und mmol/l
g/dl mmol/l (gerundet)
Männer ca. 13,5 bis 17,5 ca. 8,4 bis 10,9
Frauen, nicht schwanger ca. 12,0 bis 16,0 ca. 7,4 bis 9,9

Die Umrechnung von g/dl in mmol/l läuft über den Faktor 0,6206, sie ergibt sich aus der Molmasse des Hämoglobins. 14 g/dl entsprechen also etwa 8,7 mmol/l. Umgekehrt wird durch diesen Faktor geteilt. Kinder und Jugendliche haben eigene, altersabhängige Bereiche, und in der Schwangerschaft liegen die Grenzen niedriger, weil das Blutvolumen stärker zunimmt als die Menge der roten Blutkörperchen. Die Weltgesundheitsorganisation spricht bei Erwachsenen ab einem Hb unter 13 g/dl bei Männern und unter 12 g/dl bei nicht schwangeren Frauen von einer Anämie, für die Schwangerschaft gelten eigene, niedrigere Schwellen. Solche Schwellen sind für Statistik und Vergleichbarkeit gedacht, im Einzelfall zählt der Bereich des jeweiligen Labors.

Hb-Wert zu niedrig: Anämie

Ein niedriger Hb-Wert wird als Anämie bezeichnet. Das ist eine Beschreibung des Befunds und noch keine Ursache. In Deutschland steht Eisenmangel an erster Stelle, weil ohne Eisen kein Hämoglobin gebildet werden kann. Die eigentliche Frage lautet dann, warum das Eisen fehlt.

Häufig ist ein Blutverlust der Grund, der nicht auffällt. Kleine, wiederkehrende Blutungen im Magen-Darm-Trakt bleiben mit dem Auge unsichtbar und werden okkult genannt. Starke oder lange Menstruationsblutungen kosten über Jahre mehr Eisen, als über die Ernährung nachkommt. Weiter kommen ein Mangel an Vitamin B12 oder Folsäure in Frage, beide werden für die Bildung roter Blutkörperchen gebraucht. Chronische Entzündungen und Tumorerkrankungen bremsen die Blutbildung, auch wenn genug Eisen im Körper ist. Bei einer fortgeschrittenen Nierenerkrankung fehlt das Hormon Erythropoetin, mit dem die Niere die Produktion im Knochenmark anstößt.

Typische Beschwerden sind Müdigkeit, Blässe, Luftnot bei Belastung, Herzklopfen, Kopfschmerzen und Konzentrationsprobleme. Diese Anzeichen sind unspezifisch und treten bei vielen anderen Ursachen genauso auf. Umgekehrt bemerken manche Menschen selbst bei deutlich niedrigem Wert wenig, weil der Körper eine langsam entstandene Anämie über Monate ausgleicht. Aus den Beschwerden allein lässt sich also nicht schließen, wie der Hb-Wert ausfällt.

Welche Werte die Ursache eingrenzen

Der Hb-Wert allein zeigt nur, dass Hämoglobin fehlt. Welche Ursache dahintersteht, ergibt sich erst aus weiteren Werten, die üblicherweise im selben Blutbild mitbestimmt oder bei Bedarf ergänzt werden.

Werte, die zur Ursachensuche bei einem niedrigen Hb-Wert herangezogen werden
Wert Was er beschreibt Wozu er beiträgt
MCV Durchschnittliche Größe der roten Blutkörperchen Kleine Zellen sprechen für Eisenmangel oder eine angeborene Störung der Hämoglobinbildung, große Zellen eher für einen Mangel an Vitamin B12 oder Folsäure
MCH Durchschnittlicher Hämoglobingehalt einer einzelnen Zelle Läuft meist parallel zum MCV und stützt die Unterscheidung zwischen zu wenig Baumaterial und einer gestörten Zellreifung
Ferritin Speicherform des Eisens im Körper Zeigt einen Eisenmangel oft früher als der Hb-Wert. Steigt bei Entzündungen an und kann dann trotz Mangel unauffällig aussehen, deshalb wird häufig ein Entzündungsmarker mitbestimmt
Retikulozyten Anteil der noch nicht ausgereiften, jungen roten Blutkörperchen Zeigt, wie viel das Knochenmark aktuell nachproduziert. Ein niedriger Anteil bei bestehender Anämie spricht für ein Bildungsproblem, ein hoher Anteil dafür, dass Zellen verloren gehen oder abgebaut werden

Welche dieser Werte sinnvoll sind, hängt vom Verlauf, vom Alter und von der Vorgeschichte ab. Die Auswahl und die Bewertung gehören in die behandelnde Praxis, weil dieselbe Konstellation je nach Situation unterschiedlich gedeutet wird.

Hb-Wert zu hoch

Die häufigste Ursache ist harmlos und leicht behoben. Wer zu wenig getrunken hat, stark geschwitzt hat oder vor der Blutentnahme lange nichts zu sich genommen hat, hat konzentrierteres Blut. Die Menge an Hämoglobin pro Liter steigt, an der Gesamtmenge im Körper hat sich nichts geändert. Diese sogenannte Pseudo-Erhöhung verschwindet, sobald der Flüssigkeitshaushalt wieder ausgeglichen ist.

Andere Ursachen erhöhen den Wert dauerhaft, weil der Körper auf ein knappes Sauerstoffangebot reagiert und mehr rote Blutkörperchen bildet. Beim Rauchen bindet Kohlenmonoxid einen Teil des Hämoglobins, das damit für den Sauerstofftransport ausfällt. In großer Höhe ist der Sauerstoffdruck der Luft niedriger, nach einigen Wochen steigt der Hb-Wert messbar an. Eine unbehandelte Schlafapnoe führt zu wiederholten Sauerstoffabfällen im Schlaf, und bei chronischen Lungenerkrankungen wie einer COPD ist die Sauerstoffaufnahme dauerhaft eingeschränkt. Auch eine Testosterontherapie kann den Wert anheben.

Selten steckt eine Polycythaemia vera dahinter, eine Erkrankung des Knochenmarks, bei der zu viele Blutzellen ohne äußeren Anlass gebildet werden. Sie wird nicht am Hb-Wert allein erkannt, sondern über das gesamte Blutbild und weitere Untersuchungen. Ein einmalig leicht erhöhter Wert ist kein Hinweis darauf.

Wann eine ärztliche Abklärung ansteht

Sichtbares Blut im Stuhl, schwarz gefärbter Stuhl und eine Anämie, für die es keine erkennbare Erklärung gibt, gehören ärztlich abgeklärt. Dahinter kann eine Blutungsquelle im Magen-Darm-Trakt stecken, die sich untersuchen lässt. Das gilt besonders für Männer und für Frauen nach der Menopause, weil bei ihnen Menstruationsblutungen als Erklärung wegfallen. Ebenfalls in die Praxis gehören ein Hb-Wert, der über mehrere Befunde hinweg fällt, sowie Luftnot, Herzklopfen oder Leistungseinbrüche, die neu auftreten oder zunehmen.

Ein einzelner Wert sagt dabei weniger aus als der Verlauf. Trinkmenge, Körperhaltung bei der Blutentnahme, Tageszeit und Messmethode verschieben das Ergebnis um kleine Beträge, und Laborwerte schwanken auch bei gesunden Menschen von Messung zu Messung. Zwei Befunde im Abstand von Wochen zeigen deshalb mehr als eine einzelne Zahl, und ein Wert dicht an der Grenze wird meist erst durch die Kontrolle aussagekräftig. Wie Ihr Wert im Zusammenhang mit Vorgeschichte, Medikamenten und den übrigen Laborwerten zu bewerten ist, klärt die behandelnde Praxis.

Quellen

  • World Health Organization. Anaemia (Fact sheet). who.int
  • Camaschella, C. (2015). Iron-Deficiency Anemia. New England Journal of Medicine, 372(19), 1832 bis 1843. DOI: 10.1056/NEJMra1401038
  • Short, M. W. & Domagalski, J. E. (2013). Iron deficiency anemia: evaluation and management. American Family Physician, 87(2), 98 bis 104.
  • Referenzbereiche und Einheiten nach Angaben des jeweiligen Labors. Die hier genannten Spannen sind eine Orientierung und ersetzen nicht den Bereich auf dem eigenen Befund.

Häufige Fragen

Was ist ein normaler Hb-Wert?

Als Orientierung gelten bei Männern etwa 13,5 bis 17,5 g/dl und bei Frauen etwa 12,0 bis 16,0 g/dl, umgerechnet ungefähr 8,4 bis 10,9 mmol/l und 7,4 bis 9,9 mmol/l. Diese Spannen unterscheiden sich je nach Labor, Messgerät, Alter und Geschlecht, deshalb zählt der Bereich, der neben Ihrem Wert auf dem Befund steht. In der Schwangerschaft werden niedrigere Grenzen angesetzt, weil das Blutvolumen zunimmt und den Wert verdünnt. Ein Wert knapp außerhalb der Spanne bedeutet für sich genommen noch keine Erkrankung.

Was bedeutet ein niedriger Hb-Wert?

Ein niedriger Hb-Wert wird Anämie genannt und heißt zunächst nur, dass das Blut weniger Sauerstoff transportieren kann als üblich. Die häufigste Ursache ist Eisenmangel, dahinter können Blutverluste, ein Mangel an Vitamin B12 oder Folsäure, chronische Entzündungen und Nierenerkrankungen stehen. Der Wert selbst sagt nichts darüber, welche dieser Ursachen vorliegt, dafür werden MCV, MCH, Ferritin und je nach Situation weitere Werte herangezogen. Eine Anämie ohne erkennbare Ursache gehört ärztlich abgeklärt.

Was bedeutet ein hoher Hb-Wert?

Am häufigsten steckt dahinter zu wenig Flüssigkeit im Körper. Das Blut ist dann konzentrierter, die Menge an Hämoglobin pro Liter steigt, obwohl sich an der Gesamtmenge nichts geändert hat. Regelmäßiges Rauchen, ein längerer Aufenthalt in großer Höhe, eine unbehandelte Schlafapnoe und chronische Lungenerkrankungen können den Wert dauerhaft anheben, weil der Körper auf ein knappes Sauerstoffangebot mit mehr roten Blutkörperchen reagiert. Selten liegt eine Polycythaemia vera vor, eine Erkrankung des Knochenmarks. Ein wiederholt deutlich erhöhter Wert gehört in die Praxis, auch ohne Beschwerden.

Wie rechnet man g/dl in mmol/l um?

Der Wert in g/dl wird mit ungefähr 0,6206 multipliziert, dann steht das Ergebnis in mmol/l. Aus 14 g/dl werden so etwa 8,7 mmol/l. In die andere Richtung teilen Sie den mmol/l-Wert durch 0,6206, was ungefähr einer Multiplikation mit 1,61 entspricht. Der Faktor ergibt sich aus der Molmasse des Hämoglobins und ist eine reine Umrechnung, die Aussage des Befunds ändert sich dadurch nicht.

Reicht der Hb-Wert, um einen Eisenmangel zu erkennen?

Nein. Die Eisenspeicher können bereits leer sein, während der Hb-Wert noch im Orientierungsbereich liegt, weil der Körper die Blutbildung eine Zeit lang aufrechterhält. Sichtbar wird das über Ferritin, den Marker für das gespeicherte Eisen, ergänzt um Werte wie MCV und MCH. Ferritin steigt allerdings bei Entzündungen an und kann dann trotz Eisenmangel unauffällig aussehen, weshalb häufig ein Entzündungsmarker mitbestimmt wird. Welche Werte im Einzelfall sinnvoll sind, entscheidet die behandelnde Praxis.