Wissen · Laborwerte
Leberwerte: Normalwerte von GOT, GPT und Gamma-GT
Leberwerte ist ein Sammelbegriff für mehrere Messwerte. GOT, GPT und Gamma-GT stehen auf fast jedem Laborbefund, auf vielen zusätzlich die alkalische Phosphatase und das Bilirubin. Diese Seite zeigt die laborabhängigen Orientierungsbereiche, die häufigsten Ursachen erhöhter Werte und wie dieselben Werte in Screening-Scores wie FLI und FIB-4 verrechnet werden.
Das Wichtigste
- Leberwerte bezeichnen eine Gruppe von Messwerten, vor allem GOT, GPT und Gamma-GT, auf vielen Befunden zusätzlich die alkalische Phosphatase und das Bilirubin.
- Alle genannten Bereiche sind Orientierung. Sie hängen von Labor, Messmethode, Alter und Geschlecht ab, maßgeblich ist der Bereich auf dem eigenen Befund.
- Unauffällige Enzymwerte schließen eine Fettleber nicht aus.
- Erhöhte Enzymwerte haben viele mögliche Ursachen und beweisen keine Fettleber. Screening-Scores kombinieren sie deshalb mit Taille, Triglyzeriden, Thrombozyten und Alter.
Welche Werte zu den Leberwerten gehören
Auf dem Befund stehen die Leberwerte meist als Abkürzung. GOT wird auch AST genannt, GPT auch ALT, Gamma-GT kurz GGT. Alle drei sind Enzyme aus dem Zellinneren, die im Blut messbar werden, wenn Leberzellen belastet oder geschädigt sind. Auf vielen Befunden stehen die alkalische Phosphatase und das Bilirubin daneben, weil sie eine zweite Frage beantworten, nämlich ob die Gallenflüssigkeit abfließt.
Für die Leistung der Leber selbst stehen weitere Werte wie Albumin, Cholinesterase und Blutgerinnung, die nur bei entsprechender Fragestellung bestimmt werden.
Normalwerte von GOT, GPT und Gamma-GT
Die folgenden Bereiche sind laborabhängige Orientierungswerte für Erwachsene und zeigen nur die Größenordnung. Maßgeblich ist der Referenzbereich, den das messende Labor auf dem Befund angibt.
| Wert | Orientierungsbereich (laborabhängig) | Was der Wert zeigt |
|---|---|---|
| GOT (AST) | unter etwa 35 U/l | Wird bei Belastung von Leberzellen freigesetzt, kommt aber auch in Skelett- und Herzmuskulatur vor. Labore geben den Bereich getrennt für Frauen und Männer an, Frauen liegen im Mittel niedriger. |
| GPT (ALT) | unter etwa 35 U/l | Sitzt überwiegend in Leberzellen und ist damit der leberspezifischste der drei Werte. Auch hier liegt der angegebene Bereich bei Männern höher. |
| Gamma-GT (GGT) | etwa 8 bis 33 U/l | Empfindlich für Leber und Gallenwege, sagt jedoch wenig über die Ursache. Reagiert unter anderem auf Alkohol und bestimmte Medikamente. Der Unterschied zwischen Frauen und Männern ist hier besonders deutlich. |
| Alkalische Phosphatase (AP) | etwa 40 bis 130 U/l bei Erwachsenen | Steigt vor allem bei gestörtem Abfluss der Gallenflüssigkeit. Stammt zusätzlich aus dem Knochenstoffwechsel, deshalb liegt der Wert im Wachstumsalter und in der Schwangerschaft physiologisch höher. |
| Bilirubin (gesamt) | unter etwa 1,2 mg/dl | Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffs, das über die Leber ausgeschieden wird. Ein Anstieg kann von der Leber, von den Gallenwegen oder von verstärktem Abbau roter Blutkörperchen kommen. |
Diese Bereiche hängen von der Messmethode ab und werden von jedem Labor eigenständig festgelegt. Für Frauen und Männer gelten unterschiedliche obere Grenzen, bei Gamma-GT und GPT fällt der Unterschied am stärksten aus, auch das Alter spielt eine Rolle. Zwei Befunde aus zwei Laboren sind deshalb nur begrenzt vergleichbar, selbst wenn dieselbe Zahl darauf steht.
Was erhöhte Werte nicht beweisen und normale Werte nicht ausschließen
Erhöhte Enzymwerte zeigen, dass Leberzellen belastet sind oder Enzyme freisetzen. Sie sagen nicht, warum. Alkohol ist eine häufige Ursache, ebenso bestimmte Medikamente, auch frei verkäufliche und Nahrungsergänzungsmittel. Virusinfekte, Erkrankungen der Gallenwege und Stoffwechselerkrankungen kommen infrage. GOT steckt zusätzlich in der Muskulatur, sodass intensive körperliche Arbeit oder ein hartes Training den Wert für einige Tage anheben kann. Ein erhöhter Wert ist ein Anlass zur Abklärung und kein Nachweis einer Fettleber.
Die andere Richtung ist genauso wichtig und wird leichter übersehen. Eine Fettleber kann bestehen, während GOT, GPT und Gamma-GT im Referenzbereich liegen. Die Fetteinlagerung selbst verursacht nicht zwingend eine messbare Enzymfreisetzung, und Beschwerden fehlen oft über Jahre. Unauffällige Leberwerte sind daher keine Entwarnung. Sie sind auch kein Grund, eine geplante Untersuchung zu verschieben, wenn Beschwerden bestehen oder Risikofaktoren wie ein hoher Taillenumfang, ein Typ-2-Diabetes, erhöhte Triglyzeride oder regelmäßiger Alkoholkonsum vorliegen. Genau aus diesem Grund enthält der FLI mit Taille und BMI zwei Größen, die unabhängig von den Enzymen erhoben werden.
Häufige Ursachen erhöhter Leberwerte
Für leicht bis moderat erhöhte Werte gibt es einige häufige Erklärungen. Welche im eigenen Fall zutrifft, ergibt sich aus dem Gespräch in der Praxis, aus weiteren Laborwerten und aus dem Ultraschall.
- Fettleber. Die häufigste Ursache dauerhaft leicht erhöhter Werte. Typisch ist eine moderate Erhöhung der GPT, oft zusammen mit Gamma-GT, während Beschwerden fehlen.
- Alkohol. Regelmäßiger Konsum hebt vor allem die Gamma-GT an. Auch eine größere Trinkmenge in den Tagen vor der Blutabnahme kann sich im Befund zeigen.
- Übergewicht und Stoffwechsel. Hoher Taillenumfang, erhöhte Triglyzeride, Bluthochdruck und ein Typ-2-Diabetes treten häufig gemeinsam auf und gehen oft mit einer Leberverfettung einher.
- Medikamente. Schmerzmittel, Antibiotika, Cholesterinsenker und Antiepileptika können die Werte anheben, ebenso frei verkäufliche Präparate und Nahrungsergänzungsmittel. Verordnetes bitte nicht selbst absetzen, sondern in der Praxis besprechen.
- Durchgemachter Infekt. Virusinfekte belasten die Leber mit, auch solche, die nicht die Leber als Hauptziel haben. Danach bleiben die Werte manchmal einige Wochen erhöht und normalisieren sich von selbst.
- Intensive Muskelarbeit. Hartes Training, Schwerarbeit oder eine Muskelverletzung kurz vor der Blutabnahme hebt die GOT an, weil dieses Enzym auch aus Muskelgewebe stammt.
Seltenere Ursachen wie eine Virushepatitis, eine autoimmune Lebererkrankung, eine Störung im Eisen- oder Kupferstoffwechsel oder eine Erkrankung der Schilddrüse werden ärztlich abgeklärt, wenn erhöhte Werte bestehen bleiben.
Welcher Wert worauf hindeutet
Die drei Enzyme sind nicht austauschbar. GPT sitzt überwiegend in Leberzellen und ist damit der leberspezifischste der drei Werte, eine Erhöhung richtet den Blick zuerst auf die Leber selbst. GOT kommt zusätzlich in der Skelett- und Herzmuskulatur vor, eine Erhöhung kann also von dort stammen. Ein deutliches Überwiegen der GOT gegenüber der GPT wird eher bei alkoholbedingter Leberschädigung beobachtet, die Bewertung dieses Verhältnisses gehört in die behandelnde Praxis.
Gamma-GT reagiert am empfindlichsten und ist dafür am unspezifischsten. Der Wert steigt bei einer Fettleber, bei regelmäßigem Alkoholkonsum, unter bestimmten Medikamenten und bei gestörtem Abfluss der Gallenflüssigkeit. Eine leichte Erhöhung ohne weitere Auffälligkeiten wird deshalb häufig zunächst kontrolliert.
Aussagekräftig ist das Muster über mehrere Werte. Stehen GPT und GOT im Vordergrund, geht es eher um die Leberzellen. Sind Gamma-GT und alkalische Phosphatase gemeinsam erhöht, rückt der Abfluss der Gallenflüssigkeit in den Blick, besonders wenn zusätzlich das Bilirubin steigt.
Niedrige Leberwerte
Werte unterhalb des Referenzbereichs haben bei GOT, GPT und Gamma-GT in der Regel keinen Krankheitswert und werden meist nicht als Befund gewertet. Die Enzyme zeigen eine Freisetzung aus Zellen an, ein niedriger Wert bedeutet also nur, dass wenig davon im Blut ankommt. Über die Leistungsfähigkeit der Leber sagt er nichts. Diese wird über Albumin, Cholinesterase und Blutgerinnung beurteilt, und erst diese Werte sinken bei einer fortgeschrittenen Lebererkrankung.
Leberenzyme werden selten allein beurteilt
GOT (auch AST), GPT (auch ALT) und Gamma-GT (GGT) sind Enzyme, die bei einer Belastung der Leberzellen ins Blut gelangen. Für sich genommen sagen sie wenig darüber, ob Fett in der Leber eingelagert ist oder ob das Gewebe schon vernarbt. Deshalb arbeiten Screening-Scores nicht mit einem einzelnen Enzymwert, sondern kombinieren ihn mit Angaben, die aus einer anderen Richtung auf dieselbe Frage zeigen. Beim Fatty Liver Index sind das Körpermaße und ein Fettstoffwechselwert, beim FIB-4 das Alter und die Thrombozytenzahl.
Diese Verschiebung verändert die Aussage. Aus der Frage „ist dieser Wert erhöht“ wird die Frage „wie wahrscheinlich ist dieser Befund bei einer Leberverfettung, und wie wahrscheinlich bei einer Vernarbung“. Der Fettleber-Test auf medtests.de rechnet fünf solcher Scores, FLI, FIB-4, HSI, APRI und NFS. Welcher Wert wo eingeht, unterscheidet sich deutlich.
Welche Werte in welchen Score eingehen
Die Tabelle zeigt die Bestandteile der fünf Scores, die auf der Fettleber-Seite gerechnet werden. Ein Enzymwert kommt in mehreren Scores vor, aber jeweils in anderer Verrechnung, und keiner der Scores nutzt alle drei Enzyme.
| Score | Was er abschätzt | Welche Werte eingehen |
|---|---|---|
| FLI | Wahrscheinlichkeit einer Leberverfettung (Steatose) | BMI, Taillenumfang, Triglyzeride, Gamma-GT |
| FIB-4 | Risiko einer fortgeschrittenen Vernarbung (Fibrose) | Alter, GOT, GPT, Thrombozyten |
| HSI | Zusätzlicher Hinweis auf eine Leberverfettung | BMI, Verhältnis von GPT zu GOT, Geschlecht, Diabetes |
| APRI | Fibrose-Hinweis, entwickelt im Hepatitis-C-Kontext | GOT, obere Grenze des Labors für GOT, Thrombozyten |
| NFS | Risiko einer fortgeschrittenen Fibrose bei Fettleber | Alter, BMI, Diabetes oder gestörter Nüchternzucker, Verhältnis von GOT zu GPT, Thrombozyten, Albumin |
Auffällig ist die Aufteilung nach Fragestellung. FLI und HSI zielen darauf, ob Fett eingelagert ist. FIB-4, APRI und NFS zielen auf die Folge davon, also auf den Umbau des Gewebes. Die Thrombozytenzahl steckt in allen drei Fibrose-Scores, weil eine geschädigte Leber über die Zeit mit einem Abfall der Thrombozyten einhergehen kann. Gamma-GT wiederum steckt nur im FLI.
Warum ein Score mehr aussagt als ein einzelner Enzymwert
Ein Score bündelt mehrere Informationen, die voneinander unabhängig entstehen. Der Taillenumfang wird gemessen, die Triglyzeride und die Gamma-GT im Labor bestimmt, das Alter ist bekannt. Weichen mehrere dieser Größen in dieselbe Richtung ab, ist das ein stabileres Signal als ein einzelner Laborwert, der zufällig an einem ungünstigen Tag abgenommen wurde. Umgekehrt zieht ein einzelner auffälliger Wert das Ergebnis nicht automatisch nach oben, wenn alle anderen Größen unauffällig sind.
Dazu kommt, dass die Grenzwerte der Scores nicht frei gewählt sind. Sie stammen aus Studien, in denen die Formel an einer definierten Gruppe gegen ein Referenzverfahren geprüft wurde, beim FLI gegen den Ultraschall, bei den Fibrose-Scores gegen die Beurteilung von Lebergewebe. Beim FLI gelten Werte unter 30 als niedriges und Werte ab 60 als deutliches Steatose-Signal, dazwischen liegt ein Graubereich ohne klare Aussage. Beim FIB-4 liegen die Grenzen bei 1,3 und 2,67, ab etwa 65 Jahren wird die untere Grenze auf 2,0 angehoben. Ein einzelner Enzymwert hat keine vergleichbar geprüfte Schwelle für die Frage nach einer Fettleber.
Für die Rechnung selbst zählt der gemessene Zahlenwert in U/l und nicht die Angabe, ob er über oder unter der Grenze des Labors liegt. Beim APRI geht die obere Grenze des Labors für GOT sogar ausdrücklich als eigener Eingabewert ein. Aus den laborabhängigen Referenzbereichen folgt deshalb auch hier, dass Werte aus verschiedenen Laboren nur begrenzt vergleichbar sind.
Was der Verlauf zeigt
Ein Enzymwert beschreibt einen Zeitpunkt. Ob eine leichte Erhöhung Bedeutung hat, wird meist erst über mehrere Messungen deutlich. Ein Wert, der bei der Kontrolle nach einigen Wochen wieder im gewohnten Bereich liegt, wird anders beurteilt als einer, der über Monate erhöht bleibt oder weiter steigt. Für den Vergleich ist es hilfreich, im selben Labor kontrollieren zu lassen und die Vorbefunde zum Termin mitzubringen, weil Methode und Referenzbereich dann gleich bleiben. Auch die Scores gewinnen dadurch, denn ein FLI oder FIB-4 aus zwei Zeitpunkten zeigt eine Richtung, während ein einzelner Wert nur eine Momentaufnahme bleibt.
Wann eine ärztliche Abklärung ansteht
Bringen Sie Ihren Befund in die behandelnde Praxis, wenn ein Leberwert erhöht ist, wenn ein zuvor unauffälliger Wert deutlich gestiegen ist oder wenn ein Score im auffälligen Bereich liegt. Dasselbe gilt bei Beschwerden wie anhaltender Müdigkeit, Druck im rechten Oberbauch, Übelkeit, ungewolltem Gewichtsverlust, dunklem Urin, hellem Stuhl oder einer Gelbfärbung von Haut und Augen. Auch ohne auffällige Werte ist ein Gespräch sinnvoll, wenn Risikofaktoren zusammenkommen, etwa Übergewicht mit hohem Taillenumfang, ein Typ-2-Diabetes, erhöhte Blutfette oder regelmäßiger Alkoholkonsum. Zur Abklärung gehören meist ein Ultraschall der Leber, weitere Laborwerte und bei Hinweisen auf eine Vernarbung eine Messung der Lebersteifigkeit.
Quellen
- Bedogni, G., Bellentani, S., Miglioli, L., et al. (2006). The Fatty Liver Index: a simple and accurate predictor of hepatic steatosis in the general population. BMC Gastroenterology, 6, 33. DOI: 10.1186/1471-230X-6-33
- Sterling, R. K., Lissen, E., Clumeck, N., et al. (2006). Development of a simple noninvasive index to predict significant fibrosis in patients with HIV/HCV coinfection. Hepatology, 43(6), 1317-1325. DOI: 10.1002/hep.21178
- Lee, J. H., et al. (2010). Hepatic steatosis index: a simple screening tool reflecting nonalcoholic fatty liver disease. Digestive and Liver Disease. DOI: 10.1016/j.dld.2009.08.002
- Wai, C. T., et al. (2003). A simple noninvasive index can predict both significant fibrosis and cirrhosis in patients with chronic hepatitis C. Hepatology. DOI: 10.1053/jhep.2003.50346
- Angulo, P., et al. (2007). The NAFLD fibrosis score: a noninvasive system that identifies liver fibrosis in patients with NAFLD. Hepatology. DOI: 10.1002/hep.21496
- Kwo, P. Y., Cohen, S. M., Lim, J. K. (2017). ACG Clinical Guideline: Evaluation of Abnormal Liver Chemistries. American Journal of Gastroenterology, 112(1), 18-35.
Die genannten Zahlenbereiche sind Orientierungswerte und ersetzen nicht den Referenzbereich des messenden Labors.
Passende Seiten und Tests
Passende Selbsttests